Gedanken zur Jahreslosung: 

Hier gelangen sie zu der gelesenen Jahreslosung.

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig wie auch Euer Vater barmherzig ist 
Als ich die Jahreslosung zum ersten Mal las, dachte ich mir ein guter Impuls für das kommende Jahr. Sich ein Jahr lang einladen zu lassen, barmherzig zu sein. Das kann die eigene Haltung und damit auch das Miteinander langfristig zum Positiven verändern. 
Aber was  heißt eigentlich barmherzig sein? Wir kennen den Begriff vor allem in Bezug auf Gott. Aber wir verwenden ihn kaum im Alltag. Kaum jemand wird von einem Mitmenschen sagen, dass er barmherzig ist. Wir sagen vielleicht, dass jemand hilfsbereit oder großzügig ist, aber barmherzig wohl kaum. Mit dem alten Wort Barmherzigkeit beschreibt die Bibel die Tatsache, dass das Leid, das Unglück, das Schicksal eines anderen einem Menschen zu Herzen geht und ihn unmittelbar zum Helfen drängt.  So wurden bei Matthäus   die 7 Werke der Barmherzigkeit als Beispiele für gelebte Nächstenliebe aufgeschrieben. 
Diese sind: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und später kam noch hinzu Tote bestatten. Das alles sind Situationen, in denen die Not des anderen zum Handeln drängt. 
Und dabei sind wir aus biblischer Sicht keine besonders guten Menschen, sondern wir geben die Barmherzigkeit, die Liebe, die wir von Gott empfangen haben, nur an andere weiter. 
Damit ist klar: Mit seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist, ist mehr gemeint als eine einzelne und sei es noch so mildtätige Tat. Hinter Barmherzigkeit steht die Haltung, die Gott uns gegenüber einnimmt. Da sind wir dann beim Vergeben und Verzeihen, bei der bedingungslosen Liebe und der Wertschätzung angelangt. Als Beispiel dafür fällt mir der barmherzige Vater im Gleichnis des verlorenen Sohnes ein. Er liebt seinen Sohn, auch wenn er ganz anders gehandelt hat als es sich der Vater gewünscht und erhofft hat. 
Und wenn ich mit diesem Wissen die Jahreslosung höre, regen sich in mir zwei unterschiedliche Gefühle: Zum einen Begeisterung, was da für eine menschenfreundliche Welt entstehen kann im Kleinen wie im Großen. 
Zum anderen merke ich, wie sehr mich diese Jahreslosung auch überfordern kann. Diese Barmherzigkeit, dieser gnädige Umgang mit mir selbst und anderen fällt ja nicht immer leicht.
Dies sehen wir auch in der Darstellung der Künstlerin Nina Dellack. Ein Mädchen steht vor dem Auto seines Vaters. Es hat wohl als Liebesbeweis mit Kreide ein Herz und mit spiegelverkehrten Buchstaben Papa auf den Autolack geschrieben. Sie will dem Vater damit eine Freude machen. Gespannt wie er reagiert, steht sie da, voll Vorfreude. Sie lacht bis über beide Ohren. Die eine Hand zeigt zum Auto. Wie wird der Vater reagieren?
Der Papa sieht beides. Den guten Willen seiner Tochter und den beschädigten Autolack. Was soll er tun? Er schlägt sich mit der Hand an die Stirn und rauft sich die Haare.  Soll er schimpfen oder die gute Absicht sehen und ihr vergeben. Die Barmherzigkeit siegt. Der Vater lächelt und wendet sich seiner Tochter zu. Mir hat das gefallen. Weil es die Herausforderung, die in der Jahreslosung steckt, ernst nimmt. Wir alle wollen barmherzig sein und uns wird der barmherzige Umgang sicher auch immer wieder gelingen.  Aber wir werden durch das Verhalten der anderen und manchmal durch unser eigenes Verhalten auch immer wieder an unsere Grenzen kommen. Manchmal wird Verzeihen oder Helfen auch nicht möglich sein.  Aber auch da dürfen wir barmherzig mit uns sein und uns der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen. Lassen wir uns also von der Jahreslosung inspirieren und üben wir uns ein, im barmherzig sein mit uns und den anderen.
Ich wünsche Ihnen ein gutes, gesegnetes Neues Jahr. Bleiben Sie gesund und Gott befohlen